Krankenversicherung

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Krankenversicherung
Knappschaft (veraltet); Krankenkasse

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Kran|ken|ver|si|che|rung ['kraŇčknŐ©f…õ…źŐĮz…™√ß…ôr äŇč], die; -, -en:
Versicherung, die bei einer Krankheit die Kosten f√ľr die Behandlung bezahlt:
gesetzliche, private Krankenversicherung.
Syn.: ‚ÜĎ Kasse, ‚ÜĎ Krankenkasse.

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KraŐ£n|ken|ver|si|che|rung ‚Ć©f. 20‚Ć™
1. Versicherung f√ľr den Fall einer Krankheit u. den damit verbundenen Arbeitsausfall u. Geldverlust
2. Unternehmen f√ľr diese Versicherung
‚óŹ gesetzliche \Krankenversicherung; eine private \Krankenversicherung abschlie√üen

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KraŐ£n|ken|ver|si|che|rung, die:
a) Versicherung gegen Kosten, die durch Krankheit auftreten;
b) Unternehmen, das Krankenversicherungen (a) abschließt.

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Krankenversicherung,
 
die kollektive Abdeckung von Risiken, die im Zusammenhang mit Erkrankung, Krankheitsvorsorge und Schwangerschaft auftreten, organisiert in Gestalt der gesetzlichen Krankenversicherung (soziale Krankenversicherung) und der privaten Krankenversicherung.
 
 Gesetzliche Krankenversicherung
 
Als der √§lteste Zweig der Sozialversicherung und als ein wesentliches Element des Systems der sozialen Sicherung erbringt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) Leistungen bei Krankheit, Mutterschaft und Tod sowie zur Fr√ľherkennung und Verh√ľtung von Krankheiten. Rechtliche Grundlage der GKV ist insbesondere das 5. Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB V) sowie die mehrfach ge√§nderte Reichsversicherungsordnung (RVO) von 1911. - Zur Geschichte Sozialversicherung.
 
Der Versicherungspflicht in der GKV unterliegen in Deutschland folgende Personen (sofern ihr Gehalt oder Lohn nicht die Versicherungspflichtgrenze - 1997: altes Bundesgebiet 6 150 DM je Monat, neue L√§nder 5 325 DM je Monat - √ľbersteigt): Angestellte und Arbeiter (sie k√∂nnen sich seit 1989 bei √úberschreiten der Grenze ebenfalls privat versichern), Auszubildende, Wehrdienstleistende, Zivildienstleistende, Rentner (mit bestimmten gesetzlichen Einschr√§nkungen, ¬ß 5 Absatz 1 SGB V), Studenten, land- und forstwirtschaftliche Unternehmer mit ihren mitarbeitenden Familienangeh√∂rigen (Krankenversicherung der Landwirte) sowie Arbeitslose. Au√üerdem sind die in Jugendhilfe-, Behinderten- und Rehabilitationseinrichtungen untergebrachten Personen unter bestimmten Bedingungen sowie selbstst√§ndige K√ľnstler und Publizisten (K√ľnstlersozialversicherung) versicherungspflichtig.
 
Versicherungsberechtigt im Sinne der freiwilligen Versicherung sind u. a. diejenigen, die aus der Pflichtversicherung ausgeschieden sind, v. a. bei √úberschreiten der Versicherungspflichtgrenze, sowie Ehegatten und Kinder, die nicht mehr √ľber die Familienversicherung versichert sind. Versicherungsfrei sind au√üer den geringf√ľgig Besch√§ftigten v. a. Beamte (die sich privat versichern m√ľssen und daneben Beihilfe erhalten) sowie die meisten Selbstst√§ndigen. Die GKV in Deutschland erfasst rd. 90 % der Bev√∂lkerung.
 
Die Leistungen der GKV lassen sich einteilen in Regelleistungen, d. h. die vorgeschriebenen gesetzlichen Mindestleistungen, und die Mehrleistungen (die in der Satzung der jeweiligen Krankenkasse geregelten besonderen Leistungen). Die Regelleistungen umfassen: 1) pr√§ventive Leistungen, d. h. Vorsorgeleistungen zur Fr√ľherkennung und Verh√ľtung von Krankheiten. Neben zahnmedizinischer Vorsorge geh√∂rt dazu die j√§hrliche Vorsorgeuntersuchung auf Krebs f√ľr Frauen ab dem 20. (M√§nner ab 45.) Lebensjahr und die zweij√§hrliche Vorsorgeuntersuchung auf Herz-, Kreislauf- und Nierenerkrankungen und Diabetes, die die Versicherten ab dem 35. Lebensjahr in Anspruch nehmen k√∂nnen. Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr haben Anspruch auf besondere Untersuchungen sowie ab vollendetem zehnten Lebensjahr auf eine Untersuchung zur Fr√ľherkennung von Krankheiten. 2) Leistungen bei Krankheit in Form der Krankenbehandlung (fr√ľhere Bezeichnung: Krankenhilfe), d. h. √§rztliche Behandlung, zahn√§rztliche Behandlung einschlie√ülich Versorgung mit Zahnersatz, Versorgung mit Medikamenten, Verband-, Heil- und Hilfsmitteln, h√§usliche Krankenpflege und Haushaltshilfe, Krankenhausbehandlung zur Heilung von Krankheiten und Leistungen zur Rehabilitation sowie zur nachgehenden Sicherung der Gesundheit. In der GKV herrscht das Sachleistungsprinzip vor, d. h. die Inanspruchnahme von Kassen√§rzten (Vertrags√§rzten), Kassenzahn√§rzten und die Behandlung im Krankenhaus erfolgen in der Regel bargeldlos (bis auf Zuzahlungen). Gem√§√ü dem 2. GKV-Neuordnungsgesetz vom 23. 6. 1997 k√∂nnen alle Versicherten zwischen Sachleistungen (Kostenabrechnung zwischen Krankenkasse und Arzt) und Kostenerstattung (Patient √ľbernimmt Kosten und l√§sst sie sich von der Kasse erstatten) w√§hlen. - Alle Patienten √ľber 18 Jahre m√ľssen f√ľr verordnete Arznei- und Verbandmittel Zuzahlungen leisten beziehungsweise bestimmte Arzneimittel (z. B. f√ľr Erk√§ltungskrankheiten) sind von den Kassenleistungen ausgeschlossen worden. Die Zuzahlungen bemessen sich seit 1994 nach der Packungsgr√∂√üe und wurden 1997 bereits zweimal erh√∂ht; ab (1. 1. 1997) 1. 7. 1997 f√ľr die kleine Packungsgr√∂√üe (4 DM) 9 DM, f√ľr die mittlere (6 DM) 11 DM, f√ľr die gro√üe (8 DM) 13 DM (¬ß 31 SGB V). Ist f√ľr ein Arznei- oder Verbandmittel ein Festbetrag nach ¬ß 35 SGB V festgesetzt, tr√§gt die Krankenkasse die Kosten nur bis zur H√∂he dieses Betrages; die Zuzahlung ist auch f√ľr Festbetragsarzneimittel zu leisten. Zuzahlung und Festbetrag sollen zu kostenbewusster Verschreibung und Inanspruchnahme sowie zu preisg√ľnstigem Angebot von Arzneimitteln beitragen. F√ľr Hilfsmittel (u. a. Seh- und H√∂rhilfen) gilt ab 1989/90 ebenfalls eine Festbetragsregelung; Versicherte, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, m√ľssen seit 1. 7. 1997 f√ľr Bandagen, Einlagen und Hilfsmittel zur Kompressionstherapie 20 % Zuzahlung leisten. Versicherte √ľber 18 Jahre m√ľssen sich seit (1989) 1. 7. 1997 mit (10 %) 15 % an den Kosten f√ľr jedes Heilmittel (Massagen, B√§der, Fangopackungen u. a.) beteiligen. Ebenfalls seit 1989 sind die Fahrtkosten zur ambulanten Behandlung vom Versicherten aufzubringen; bei den Fahrtkosten zur station√§ren Behandlung ist eine Eigenbeteiligung von (20 DM) 25 DM seit 1. 7. 1997 zu bezahlen (¬ß 60 SGB V). Ab (1994) 1. 7. 1997 betr√§gt der Eigenanteil an den Kosten bei Krankenhausaufenthalten f√ľr Versicherte √ľber 18 Jahre t√§glich (maximal 14 Tage lang) im alten Bundesgebiet (12 DM) 17 DM, in den neuen L√§ndern (9 DM) 14 DM. Bei kieferorthop√§dischen Ma√ünahmen, auf die in der Regel Versicherte bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres als Kassenleistung Anspruch haben, ist seit 1989 die R√ľckzahlung des vorgestreckten Anteils vom Abschluss der Behandlung abh√§ngig. Versicherte, die vor dem 1. 1. 1979 geboren sind, haben nach der bis 30. 6. 1997 g√ľltigen Regelung Anspruch auf einen Zuschuss von (grunds√§tzlich) 50 %, ab 1. 7. 1997 45 % zu den Kosten f√ľr medizinisch notwendigen Zahnersatz, der prozentuale Zuschuss wird demn√§chst durch einen Festzuschuss ersetzt (¬ß 30 Absatz 1 SGB V). Der Eigenanteil ist von der Art des Zahnersatzes sowie einem Vorsorgebonus abh√§ngig. F√ľr station√§re Rehabilitationsma√ünahmen (Kur) ist von Versicherten √ľber 18 Jahre ab 1997 im alten Bundesgebiet eine Zuzahlung von 25 DM kalendert√§glich, in den neuen L√§ndern 20 DM, zu leisten (¬ß¬ß 40 Abs√§tze 5, 310 Absatz 1 SGB V). Je Kurwoche werden zwei Tage auf den Erholungsurlaub angerechnet.
 
Um die mit der Novellierung der GKV (besonders ab 1. 7. 1997, so genannte 3. Stufe der Gesundheitsreform) verst√§rkt eingesetzte Selbstbeteiligung sozial zu steuern, erfolgt in H√§rtef√§llen eine Befreiung von Zuzahlungen und Eigenbeteiligung beziehungsweise eine Minderung der Eigenbeteiligung. H√§rtefallregelungen gelten in der Regel f√ľr Versicherte mit weit unterdurchschnittlichen Bruttoeinnahmen, des Weiteren f√ľr Versicherte, die Sozialhilfe, Arbeitslosenhilfe oder Ausbildungsf√∂rderung nach dem Bundesausbildungsf√∂rderungsgesetz beziehen (¬ß 61 SGBV). So genannte √úberforderungsklauseln sehen im Einzelfall ebenfalls Einschr√§nkungen bei Zuzahlungen vor (¬ß 62 SGBV). 3) Krankengeld wird gezahlt im Anschluss an die Entgeltfortzahlung (sechs Wochen) in H√∂he von 70 % (seit 1. 1. 1997) des erzielten regelm√§√üigen Arbeitsentgelts und Arbeitseinkommens, soweit es der Beitragsberechnung unterliegt (¬ĽRegelentgelt¬ę; ¬ß¬ß 44 ff. SGB V). 4) Leistungen bei Schwangerschaft und Mutterschaft (Mutterschaftsgeld und -hilfe; ¬ß¬ß 195 ff. RVO). 5) Hilfe bei der Empf√§ngnisregelung, bei der legalen Sterilisation und dem legalen Schwangerschaftsabbruch (¬ß¬ß 24 a und b SGB V). 6) Hilfen zur Weiterf√ľhrung des Haushalts mit Kindern (bis zum 12. Lebensjahr; ¬ß 38 SGB V) und zur Weiterf√ľhrung landwirtschaftlicher Betriebe (¬ß¬ß 26 ff. Gesetz √ľber die Krankenversicherung der Landwirte). 7) Sterbegeld, das beim Tod eines Mitglieds oder eines Familienversicherten gezahlt wird und 2 100 DM (beim Mitglied) beziehungsweise 1 050 DM betr√§gt (¬ß¬ß 58 f. SGB V). Anspruch besteht, wenn der Verstorbene am 1. 1. 1989 versichert war. 8) H√§usliche Krankenpflege durch eine Pflegekraft erhalten Versicherte neben der √§rztlichen Behandlung, wenn Krankenhausbehandlung geboten, aber nicht ausf√ľhrbar ist oder dadurch vermieden wird (¬ß 37 SGB V). Sie wird jedoch nur gew√§hrt, wenn eine im Haushalt lebende Person den Kranken nicht im erforderlichen Umfang pflegen kann.
 
Die Versicherten haben freie Arztwahl unter den zugelassenen Kassen√§rzten und -zahn√§rzten (Vertrags√§rzten). Sie m√ľssen sich vor der ersten Behandlung durch die Krankenversichertenkarte ausweisen.
 
Die Finanzierung der GKV erfolgt durch Beitr√§ge und sonstige Einnahmen, haupts√§chlich aber durch die Beitr√§ge der versicherten Arbeitnehmer und deren Arbeitgeber. Der in seiner H√∂he von der jeweiligen Krankenkasse abh√§ngige Beitragssatz entwickelte sich durchschnittlich von (1950, f√ľr Arbeiter) 6 % auf (1996) 13,6 % beziehungsweise neue L√§nder 13,5 % vom Bruttoeinkommen (jeweils zur H√§lfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer). F√ľr die bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze (1997: 610 DM im alten Bundesgebiet, 520 DM in den neuen L√§ndern monatlich) Familienversicherten wird aus Gr√ľnden des Familienlastenausgleichs kein Beitrag erhoben. - Erh√∂ht eine Krankenkasse ihren Beitragssatz, so erh√∂hen sich ebenfalls die zu leistenden Zuzahlungen (¬ß 221 SGB V in der Fassung des 1. GKV-Neuordnungsgesetzes). In diesem Fall steht den Versicherungspflichtigen ein besonderes K√ľndigungsrecht nach ¬ß 175 Absatz 4 SGB V zu. Die gesetzlichen Krankenkassen d√ľrfen ihren Versicherten auch g√ľnstigere Policen mit einer h√∂heren Selbstbeteiligung anbieten sowie eine Beitragsr√ľckerstattung vorsehen, wenn Versicherte im Kalenderjahr keine Leistungen zulasten der Krankenkasse in Anspruch genommen haben (¬ß¬ß 53, 54 SGB V).
 
Die Ausgaben in der GKV sind von (1965) rd. 16 Mrd. DM auf (1994) 217 Mrd. DM gestiegen. Die Ursachen daf√ľr sind vielf√§ltig: Durch technischen Fortschritt in der Medizin wurden die Behandlungen teurer, die steigende Zahl chronischer Erkrankungen wie auch der zunehmende Anteil √§lterer Menschen erh√∂hte die Anzahl der Behandlungen, der Verbrauch von Arzneimitteln erh√∂hte sich ebenso wie deren Preise. Die Ausdehnung des Versichertenkreises f√ľhrte zu Ausgabensteigerungen wie auch die √úbertragung des bundesdeutschen Sozialversicherungsrechts auf die neuen L√§nder; hinzu kommen Steuerungsm√§ngel im System der GKV. Diese unter der Bezeichnung ¬ĽKostenexplosion¬ę diskutierte Entwicklung f√ľhrte seit 1977 zu zahlreichen gesetzgeberischen Ma√ünahmen (Kostend√§mpfungsgesetze), die wegen ihrer Auswirkungen auf die Versicherten in Form von h√∂heren Zahlungen beziehungsweise Leistungsk√ľrzungen umstritten sind.
 
 
der GKV sind die Krankenkassen, in erster Linie die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK). Sie sind innerhalb ihres Bezirks zust√§ndig f√ľr alle Versicherungspflichtigen, die nicht einer Betriebskrankenkasse, Innungskrankenkasse, der Bundesknappschaft (f√ľr Bergleute), der Seekrankenkasse (f√ľr Seeleute), einer landwirtschaftlichen Krankenkasse oder einer Ersatzkasse angeh√∂ren. Ab 1996/97 k√∂nnen auch Arbeiter (wie zuvor schon die Angestellten) sowie Versicherungsberechtigte zwischen verschiedenen Krankenkassen w√§hlen (¬ß¬ß 173 ff. SGB V). - In den Krankenkassen als K√∂rperschaften des √∂ffentlichen Rechts mit Selbstverwaltung arbeiten seit 1. 1. 1996 als Selbstverwaltungsorgane ein hauptamtlicher Vorstand und ein ehrenamtlicher Verwaltungsrat (zuvor ehrenamtlicher Vorstand und ehrenamtliche Vertreterversammlung). Die Krankenkassen sind zu Krankenkassenverb√§nden zusammengeschlossen. Die Aufsicht √ľber die landesunmittelbaren Krankenkassen f√ľhren die Versicherungs√§mter, in einigen L√§ndern besondere Aufsichtsbeh√∂rden, bei √ľberregionalen Krankenkassen das Bundesversicherungsamt. Die Krankenkassen schlie√üen mit den kassen√§rztlichen und den -zahn√§rztlichen Vereinigungen Gesamtvertr√§ge √ľber die √§rztliche Versorgung ab. Die kassen√§rztlichen Vereinigungen werden so den Kassen gegen√ľber verpflichtet, die von der Krankenversicherung geschuldeten √§rztlichen Leistungen bereitzustellen. Die Beitragss√§tze zwischen den verschiedenen Krankenkassen schwanken, weil sich ihre Mitgliederstruktur und die damit verbundenen unterschiedlichen ¬ĽVersichertenrisiken¬ę betr√§chtlich unterscheiden. Durch Zahlungen zwischen den Krankenkassen werden die risikobedingten Unterschiede in der H√∂he der beitragspflichtigen Einnahmen ausgeglichen (Risikostrukturausgleich). Falls durch Neugr√ľndung einer Betriebskrankenkasse die Beitragss√§tze der √∂rtlichen AOK im Vergleich zu benachbarten AOK wesentlich steigen w√ľrden, kann sie untersagt werden.
 
In der DDR bestand eine gesetzliche Einheitsversicherung (Sozialversicherung) mit einer umfassenden Versicherungspflicht. Rd. 88 % der Bev√∂lkerung waren Mitglieder bei der Sozialversicherung im Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB), w√§hrend die anderen Berufst√§tigen sowie deren Familienangeh√∂rige bei der Staatlichen Versicherung versichert waren. Der Pflichtversicherung unterlag nur ein Monatsverdienst bis zu 600 Mark. Berufst√§tige, deren Verdienst diese Grenze √ľberstieg, konnten ab 1971 der freiwilligen Zusatzrentenversicherung beitreten, durch die sie Zusatzrente und h√∂heres Krankengeld erhielten. Am 1. 1. 1991 wurde das bundesdeutsche System der Krankenversicherung in den neuen L√§ndern eingef√ľhrt beziehungsweise erlangten das SGB V und die RVO mit √úbergangsvorschriften G√ľltigkeit.
 
In √Ėsterreich ist die Grundlage der Krankenversicherung f√ľr Arbeitnehmer das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz (ASVG) vom 9. 9. 1955, f√ľr √∂ffentlich Bedienstete das Beamten-, Kranken- und Unfallversicherungsgesetz, f√ľr Bauern das Bauern-Sozialversicherungsgesetz und f√ľr Gewerbetreibende das Gewerbliche Sozialversicherungsgesetz. Alle Arbeitnehmer sind versicherungspflichtig. Die Beitragsbemessung erfolgt nach dem Arbeitsverdienst. Die Beitr√§ge (Beitragssatz 1997: 7,9 %, Angestellte 6,8 %) werden je zur H√§lfte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragen. Die maximale Beitragsbemessungsgrundlage betr√§gt (1997) 40 800 √∂S monatlich, die Geringf√ľgigkeitsgrenze 3 740 √∂S. Krankenversichert sind zurzeit etwa 4,86 Mio. Personen, davon rd. 90 % bei der Krankenversicherung f√ľr Unselbstst√§ndige und rd. 10 % bei der Krankenversicherung f√ľr Selbstst√§ndige. Die Einnahmen der Krankenversicherungen betrugen (1995) rd. 110,5 Mrd. √∂S, die Ausgaben rd. 112,6 Mrd. √∂S. Die Versicherten brachten rd. 88,5 % der Einnahmen auf, der Rest kam aus Rezeptgeb√ľhren, Ersatzanspr√ľchen u. a. Auch in √Ėsterreich stiegen die Ausgaben stark an.
 
Die Leistungen entsprechen, abgesehen von einigen Modifikationen, denjenigen der Krankenversicherungen in Deutschland. Auch die Versuche, den starken Ausgabenanstieg zu bremsen, √§hneln denen in Deutschland (z. B. Streichung des Sterbegeldes, Erh√∂hung der Rezeptgeb√ľhren, √Ąnderung der Krankenhausfinanzierung, Einf√ľhrung einer Selbstbeteiligung und einer Krankenscheingeb√ľhr). - Versicherungstr√§ger sind neun Gebiets- und neun Landwirtschaftskrankenkassen (je eine in jedem Bundesland), zehn Betriebskrankenkassen, eine Versicherungsanstalt der √∂sterreichischen Eisenbahnen, eine Versicherungsanstalt √∂ffentlich Bediensteter und eine Versicherungsanstalt des √∂sterreichischen Bergbaus.
 
In der Schweiz besteht die Versicherungspflicht seit dem 1. 1. 1996, ein Arbeitgeberbeitrag wird nicht gezahlt. Getragen wird die Krankenversicherung von einer Vielzahl von vom Bund anerkannten privaten und durch die von Kantonen oder Gemeinden eingerichteten √∂ffentlichen Krankenkassen. Diese werden sowohl vom Bund als auch von den Kantonen subventioniert. Als Krankenpflege wird ambulante wie station√§re Behandlung gew√§hrt. Auch die Schweiz verzeichnet ein starkes Anwachsen der Ausgaben f√ľr Gesundheitsleistungen. 1985-91 stiegen die Gesamtausgaben z. B. um 61 %, das Bruttosozialprodukt um 45 %. Die Finanzierung der Gesundheitskosten erfolgte 1991 zu 28,3 % durch die √∂ffentliche Hand, zu 1,8 % durch die Sozialversicherung, zu 61,5 % durch die Haushalte und zu 8,4 % durch andere Tr√§ger.
 
 
Die private Krankenversicherung (PKV) ist als Zweig der Personenversicherung ein Teil der Individualversicherung. Im Gegensatz zur GKV, die auf dem Solidarit√§tsprinzip fu√üt, entspricht die Beitragsgestaltung der PKV der Risiko√§quivalenz (abgesehen von Modifikationen im Zusammenhang mit dem Standardtarif f√ľr √§ltere Versicherte und der privaten Pflegepflichtversicherung, die beide mit gesetzlichen H√∂chstbeitragsgarantien verbunden sind). Die Beitr√§ge richten sich also nach dem Alter, dem Geschlecht und dem Gesundheitszustand beim Eintritt in die Versicherung sowie nach dem tariflichen Leistungsumfang. In der PKV sind f√ľr jeden Versicherten Beitr√§ge zu zahlen (keine beitragsfreie Versicherung von Familienangeh√∂rigen, abgesehen von der Beitragsfreiheit der Kinder in der privaten Pflegepflichtversicherung). Privat sind die Personen versichert, die nicht der Versicherungspflicht unterliegen (Angestellte und Arbeiter, deren Gehalt die Versicherungspflichtgrenze √ľbersteigt, Selbstst√§ndige, Beamte, Freiberufler, Studenten, Nichtberufst√§tige), und diejenigen, die sich zus√§tzlich zur GKV versichern wollen. Alle privat Vollversicherten sind zugleich Pflichtmitglied in der privaten Pflegepflichtversicherung.
 
In der auf die individuellen Versicherungsbed√ľrfnisse des Versicherten zugeschnittenen PKV werden als Versicherungsarten angeboten: 1) Krankheitskostenvollversicherung, sie sichert die Arzt-, Krankenhaus-, Arzneimittel-, Zahnbehandlungs- und Zahnersatzkosten unter Ber√ľcksichtigung einer finanziellen Selbstbeteiligung des Versicherten ab. 2) Private Pflegepflichtversicherung, sie gew√§hrleistet allen privat Krankenversicherten das gleiche Leistungsspektrum wie die soziale Pflegeversicherung. 3) Selbstst√§ndige Teilversicherung, sie umfasst die station√§re Zusatzversicherung zur Absicherung der Kosten der privat√§rztlichen Behandlung im Krankenhaus und der Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer, die ambulante Zusatzversicherung zur Schlie√üung der insoweit bestehenden L√ľcken in den Leistungen der GKV, die freiwillige Pflegekrankenversicherung als Pflegetagegeld- oder Pflegekostenversicherung zur Erg√§nzung der Pflegepflichtversicherung, die Auslandsreisekrankenversicherung und die Restschuldversicherung (soll sicherstellen, dass bei einem Absinken des Einkommens im Krankheitsfall die Zahlungsverpflichtungen eingehalten werden k√∂nnen). 4) Krankentagegeldversicherung (Verdienstausfallversicherung), sie gew√§hrt bei Arbeitsunf√§higkeit infolge von Krankheit oder Unfall einen vereinbarten Tagegeldbetrag zur Vermeidung von Einkommensverlusten. 5) Krankenhaustagegeldversicherung, sie zahlt einen festen Betrag f√ľr jeden Tag der Krankenhausunterbringung.
 
Die Gesamtleistungen in der PKV beliefen sich (1995) auf 32,9 Mrd. DM, die reinen Leistungsausgaben auf 21 Mrd. DM. Die Beitragseinnahmen betrugen (1995) 32,1 Mrd. DM; davon entfielen auf die Krankheitskostenvollversicherung 66,3 %, auf die private Pflegepflichtversicherung 7,6 %, auf die selbstst√§ndige Teilversicherung 15,9 %, auf die Krankentagegeldversicherung 5,3 % und auf die Krankenhaustagegeldversicherung 4,9 %. Im Jahre 1995 (1990) waren in der PKV 7,0 (6,1) Mio. Personen voll- und 5,0 (6,0) Mio. Personen zusatzversichert. Tr√§ger der PKV sind (1995) 27 Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (VVaG) und 27 Krankenversicherungs-Aktiengesellschaften. Die Unternehmen sind im Verband der privaten Krankenversicherung e. V. (Sitz: K√∂ln) zusammengeschlossen. Nur indirekt (√ľber die private Pflegepflichtversicherung) Mitglied des Verbandes sind die Krankenversicherungen der Bundesbahnbeamten und die Postbeamtenkrankenkasse mit insgesamt nochmals 1,2 Mio. Mitgliedern.
 
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie v. a. auch in den folgenden Artikeln:
 
Arzneimittel · Entgeltfortzahlung · Gesundheit · Gesundheitswesen · Krankenhaus · Mutterschaftsgeld · Mutterschaftshilfe · Sozialversicherung
 
 
H. Peters: Hb. der K., Losebl. (161956 ff.);
 
Soziale K. Komm., hg. v. D. Krauskopf, Losebl. (21976 ff.);
 
Die K. der Rentner (KVdR).
 
Komm. zu den gesetzl. Vorschriften. .., bearb. v. H. Kierstein u. a., Losebl. (1982 ff.);
 H. Moser: Private K., 2 Tle. (1983);
 P. Bach u. H. Moser: Private K. (1984);
 P.-R. Wagner: Die K. (31985);
 B. Behrends: Grenzen des Privatrechts in der gesetzl. K. (1986);
 R. Paquet u. a.: Leistungs- u. Kostenprofile in der GKV (1988);
 K.-D. Henke u. C. Behrens: Umverteilungswirkungen der gesetzl. K. (1989);
 B. Rosewitz u. D. Webber: Reformversuche u. Reformblockaden im dt. Gesundheitswesen (1990);
 C. Uleer: 100 Fragen zur privaten K. (31991);
 
Westeurop. Gesundheitssysteme im Vergleich. Bundesrepublik Dtl., Schweiz, Frankreich, Italien, Großbritannien, Beitrr. v. J. Alber u. B. Bernardi-Schenkluhn (1992);
 
Krankheit u. Gemeinwohl. Gesundheitspolitik zw. Staat, Sozialversicherung u. Medizin, hg. v. B. Blanke (1994);
 
Gesundheitsversorgung u. K. 2000. Mehr Ergebnisorientierung, mehr Qualit√§t u. mehr Wirtschaftlichkeit. Sondergutachten 1995, hg. v. Sachverst√§ndigenrat f√ľr die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen (1995).
 

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KraŐ£n|ken|ver|si|che|rung, die: a) Versicherung gegen Kosten, die durch Krankheit auftreten; b) Unternehmen, das Krankenversicherungen (a) abschlie√üt.

Universal-Lexikon. 2012.

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